Gesucht: Schulwahrheit in Zeiten von Digitalisierung

So sieht Lehrerbildung im digitalen Zeitalter aus: Der Pädagoge Prof. Dr. Guido Pollak gewährt Einblicke in den „Information & Media Literacy Think Tank“ im Didaktischen Labor der Universität Passau und in sein Verständnis von Bildung in einer digitalisierten Welt.

Achtung, jetzt wird es philosophisch: „Die Digitalisierung stellt Wahrheit als Dispositiv zur Disposition“ – mit dieser These steigt Prof. Dr. Guido Pollak, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Pädagogik an der Universität Passau, in die Diskussion mit angehenden Lehrkräften sowie Expertinnen und Experten aus dem Bereich Kulturwissenschaft, Medienpädagogik, Informatikdidaktik, Kunstpädagogik/ Bildwissenschaft, Geschichtsdidaktik und Mediensemiotik.

Das klingt dann beispielsweise so:

Studierender: Als Lehrkraft benötige ich Objektivitätskriterien, um Schülerinnen und Schüler bewerten zu können. Doch welche Kriterien sollen für Wahrheit gelten?

Prof. Dr. Pollak: Das Schulsystem braucht Wahrheit, um Selektion begründen und durchführen zu können.

Kunstpädagogin: Wie soll man als Lehrkraft wissen, was wahr ist?

Informatiker: Digitalisierung bedeutet zunächst nichts anderes, als die Realität in Einsen und Nullen zu übersetzen. Inzwischen sind wir in der Lage, neue Realitäten zu erzeugen, die von Kindern genauso als Realität wahrgenommen werden.

Kulturwissenschaftlerin: Bedeutet Digitalisierung nicht auch eine Entmachtung meiner Position als Expertin?

Kunstpädagogin: Wie gelingt es, den Unterricht für Wahrheitsfindungsprozesse zu öffnen? Vielleicht braucht es auch das Selbstbewusstsein zu einer Haltung, gemeinsam das Problem bewundern zu können.

Die Szene stammt aus dem „Information & Media Literacy Think Tank“ im Didaktischen Labor der Universität Passau. Es handelt sich dabei um ein Lehrformat, das im Rahmen des SKILL-Projekts „Information & Media Literacy“ (IML) entwickelt wurde und das in diesem Wintersemester erstmals an der Universität für Lehramtsstudierende stattfindet. Es soll die angehenden Lehrkräfte fit für Bildung im digitalen Zeitalter machen.

Die Universität Passau reagiert damit auf die Herausforderungen in der Lehrerbildung, die sich auch durch die Digitalisierung ergeben. Digitalisierung ist im Verständnis der Beteiligten kein rein technischer Prozess, sondern eine Entwicklung, die alle Lebensbereiche umfasst und eben – aus Sicht von Prof. Dr. Pollak – die Regeln, auf die sich die Gesellschaft geeinigt hat, gehörig durcheinander wirbelt.

Was hat die Sitzung aus seiner Sicht gebracht? Einmal mehr den Beweis, dass es in der Lehrerbildung das Wissen aus verschiedenen Fächern braucht, damit diese „ihre Schülerinnen und Schüler befähigen können, in der digitalisierten Welt ein mündiges Leben zu führen“.

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